Video und Ton

Der alte "Fotoapparat" hat dazugelernt. Dank immer schnellerer digitaler Signal-verarbeitung ist eine moderne Kamera in der Lage, neben klassischen Fotos auch bewegte Bilder und den dazugehörigen Ton aufzuzeichnen. Die rein technische Qualität ist auf einem sehr hohen Niveau angelangt und konkurrenzfähig zu echten Video-recordern. Dank größerer Sensoren und demzufolge längerer Brennweiten sowie geringerer Schärfentiefe ergeben sich sogar neue Formen der Videogestaltung. 

 

Viele eingefleischete Video-Spezialisten tun sich zwar schwer mit der doch etwas gewöhnungsbedürftigen Bedienung; Video-Neulinge jedoch freuen sich darüber, mit einer Ausrüstung zwei Anwendungsgebiete abzudecken und zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, wenn sie mit derselben Kamera zunächst Video-Takes aufnehmen und gleich darauf einige Fotos vom Set schießen.

 

Vor Kurzem begann auch ich, mein altes Interesse für das Filmen wiederzuentdecken. Ein Film ohne Ton ist für mich jedoch nur ein halber Film; abgesehen vom Stummfilm gilt für mich daher das Motto:

 

Kein Video ohne Ton

 

Für einen ersten kleinen Clip "ohne Worte" benutzte ich Magix Musicmaker und GEMA-freie halbfertige Vorlagen für die Erstellung einer musikalische Untermalung. Für andere Projekte, für die auch Geräusche und Gesprochenes wichtig wurden, kam der Wunsch nach mehr auf. 

 

So begann ich langsam, mich intensiver mit den Themen Tontechnik und Homerecording auseinanderzusetzen. In diesem Abschnitt möchte ich gern über meine Erfahrungen damit berichten – immer im Hinblick auf das Zusammenspiel von Bild und Ton in der Videotechnik.

 

Wie kommt man nun zum guten Ton?

 

Einfach den originalen Kamera-Ton zu übernehmen ist die langweiligste Art – und oft auch die schlechteste. Denn der O-Ton ist meist alles andere als perfekt und bedarf der Nachbearbeitung. Hierfür ist bereits ein gewisser Hard- und Software-Aufwand nötig: Der PC sollte über eine gute (externe USB-) Soundkarte verfügen, zum Abhören werden einigermaßen gute, möglichst neutrale Lautsprecher benötigt.

 

Rudimentäre Klangbearbeitungsmöglichkeiten bietet meist die Videoschnitt-Software, besser ist hier jedoch ein Spezialwerkzeug. Mit diesem könnte man auch weitere Tonspuren anlegen und zum Beispiel weitere Texte einsprechen oder Geräusche nachträglich aufnehmen. Dies wiederum erfordert ein Mikrofon und einen Mikrofonvorverstärker. Echte Kondensatormikrofone benötigen zudem eine Spannungsversorgung (Phantomspannung genannt) in Höhe von zumeist 48 Volt, die über das Mikrofonkabel zugeführt wird. Normale Soundkarten liefern diese nicht, es ist dann also am besten ein USB-Interface mit eingebautem Mikrofonvorverstärker und Phantomspannung nötig. Über sogenannte Großmembran-Kondensator-Mikrofone eingefangen, klingt Sprache besonders gut verständlich und natürlich.

 

Für die Verbesserung des O-Tons sollte die Anschaffung eines mobilen, am besten mehrspurigen Aufnahmegerätes erwogen werden. Speziell für Kameras konstruierte Geräte nehmen derzeit bis zu sechs Spuren (= sechs Mikrofone) auf. Ich empfehle mindestens vier Suren, damit könnte man z. B. zwei Klein-Mikros für die Umgebungsgeräusche (auch "Atmo" genannt) einsetzen, und ein weiteres Mono-Mikro für zielgerichtete Sprachaufnahme. Am PC kann man dann alle Spuren perfekt zusammenmischen.

 

Weiter aufgewertet wird ein Video durch musikalische Untermalung. Ich rate dringend davon ab, dafür einfach das Lieblingslied Ihres liebsten Stars zu übernehmen. Das verletzt das Urheberrecht und kann bei Veröffentlichung zu empfindlichen Strafen führen. (Schon der kleine Clip auf der eigenen privaten Webseite gilt als Veröffentlichung!)

 

Freie Musiksammlungen sind meist langweilig bis öde. Das Selbermachen ist aufwendig, und nicht jeder spielt ein Instrument oder besser noch mehrere Instrumente. Ich selbst wähle den Kompromiss, dass ich über die oben genannte Sequenzer-Software frei erhältliche Sound-Schnipsel (Samples, Loops) arrangiere, die ich mit einem kleinen Keyboard durch eigene Melodien ergänze.

 

Für das saubere Abmischen solcher durchaus komlpexer Strukturen ist schon deutlich bessere technische Ausstattung nötig, als das oben beschriebene Minimal-Equipment. Neben wirklich guten (am besten Aktiv-) Monitor-Lautsprechern sollte auch ein Studio-Kopfhörer angeschafft werden. Während die Monitore für das endgültige Abmischen ("Mastern") wichtig sind, dient der Kopfhörer schon bei der Aufnahme und dem Arrangieren der Samples dazu, feinste Störungen und Fehler hörbar zu machen. Einen Test zweier sehr guter, dennoch bezahlbarer Kopfhörer finden Sie unter Tests - Studio-Kopfhörer.

 

Es versteht sich fast von selbst, dass die gesamte Technik neutral klingen und über ein sehr hohes Auflösungsvermögen verfügen muss. HiFi-Geräte eignen sich an dieser Stelle definitiv nicht, denn sie sollen den Hörer in erster Linie mit Wohlklang verwöhnen, der aber eben selten neutral ist!

 

Wenn allerdings alles im Kasten ist, sollte das Ergebnis testweise natürlich schon auch über verschiedene normale Haushaltsgeräte abgespielt werden.

 

Wenn man die obigen Abschnitte liest, könnte man meinen, der ganze Aufwand sei bestimmt recht teuer. Die Antwort ist Jein. Natürlich kann man für ein exquisit ausgestattetes Studio schnell eine fünfstellige Summe loswerden – nach oben ist wie so oft alles offen;-) Aber wir wollen ja keine musikalischen Großprojekte starten und den Abbey Road Studios Konkurrenz machen! Ein vernünftiger PC sollte vorhanden sein, s. auch Abschnitt PC für die Bildbearbeitung. (Nicht vom Titel irritieren lassen, die dort beschriebene Hardware eignet sich gleichermaßen auch für die Video- und Ton-Bearbeitung – erst recht in der größeren Version!) Je nach schon vorhandem Equipment, konkretem Vorhaben, Ansprüchen und Geldbeutel liegen die Investitionen für den Enstieg ins Homerecording irgendwo zwischen einigen zehn und vielleicht 2.000 Euro.

 

Am Ende ist es wichtig, dass die einzelnen Glieder der Kette gut aufeinander abgestimmt sind. Das ist in der Studiotechnik nicht anders als in der HiFi-Technik. Wichtiger als die technischen Eigenschaften der Geräte selbst ist auch die Anordnung von Mikrofonen oder Lautsprechern im Raum und natürlich dessen eigene Akustik. Sie nur wenige Zentimeter zu verschieben oder anders auszurichten bringt hier oft mehr, als deutlich höhere Beträge in die Technik zu investieren!

 

Wie in der Fotografie gilt: "Das Bild entsteht nicht in der Kamera, sondern im Kopf des Fotografen", könnte man hier sagen, dass guter Klang nicht in den Geräten entsteht, sondern durch den Umgang des Anwenders mit ihnen.

 

Einfach erst einmal klein einsteigen, viel arbeiten und dann nach Bedarf in kleinen Schritten weiter aufrüsten – das war mein eigenes Motto beim Einstieg ins Homerecording. 

 

Nach diesem recht groben und allgemein gehaltenen Überblick, wird es in den Unterabschnitten konkreter. Derzeit sind dies:

 

Software für Video und Ton

Test Studio-Kopfhörer

Audio-Interface am Tablet

 

 

11.08.2015 - 29.10.2015