Domenico Scarlatti

Die Sonaten

Domenico Scarlatti
(Abb.: Wikipedia)

 

Scarlattis Werke höre ich gern am Klavier gespielt; genauso gern jedoch am Cembalo – ganz besonders, wenn es sich um ein so wohlklingendes Instrument handelt, an dem Günther Fetz um etwa 1980 herum vierzehn Sonaten eingespielt hatte (im Handel leider nicht mehr verfügbar). 

 

Wie ich an anderer Stelle beschreibe, liebe ich Gesamteinspielungen von Werkgruppen. Scarlattis Sonaten wurden zwar zumindest am Cembalo mehrfach komplett eingespielt, jedoch bin ich im Zweifel, ob ich wirklich alle mehr als 500 hören möchte oder muss. 

 

Ein Mammut-Projekt startete Chrisoph Ullrich etwa 2010: Er spielt – soweit mir bekannt – als erster Pianist alle Sonaten am Klavier ein. Das Projekt soll sich insgesamt über 17 Jahre hinziehen. Bislang sind vier Ausgaben (jeweils als Doppel-CDs) erschienen.

 

Andere Interpreten haben nicht alles eingespielt, geben aber dennoch einen recht umfassenden Überblick über Scarlattis Sonaten. So kann man auch Auszüge aus den Cembalo-Gesamteinspielungen von Scott Ross oder Pieter-Jan Belder erwerben, daneben haben z. B. Andreas Staier oder Pierre Hantai zahlreiche Sonaten am Cembalo vorgelegt. Doch beginnen wir mit Klaviereinspielungen:

 

Domenico Scarlatti - Sonaten - Christian Zacharias
(Foto: Warner)

 

K. 11, 22, 39, 87, 96, 109, 118, 124, 132, 141, 146, 162, 183, 193, 208, 209, 213, 247, 268, 296, 315, 318, 319, 322, 380, 381, 386, 426, 427, 434, 436, 454, 455, 460, 466, 467, 475, 481, 492, 502, 515-517, 531-533, 537, 544, 551

 

+ "Scarlatti x 20" Sonate G-Dur K. 55

 

Christian Zacharias (Klavier)

1978–1994, Warner-EMI, 4 CDs

 

Am Klavier spielte Christian Zacharias zwischen  1978 und 1994 rund 50 Sonaten für die EMI ein. Zusätzlich gab es von ihm ein Album, auf dem sich 20 verschiedene Aufnahmen einer einzigen Sonate (K 55 in G-Dur) fanden, die er über 20 Jahre lang am Ende seiner Konzertabende als Zugabe spielte. Aktuell kann man all diese Einspielungen in Form einer 4-CD-Box sehr günstig erwerben, z. B. bei JPC. (Außerdem veröffentlichte er 2002 weitere 14 Sonaten bei Dabringhaus & Grimm.) Er spielt sehr präzise, ohne vordergründig zur Schau gestellte Virtuosität. Das bekommt den sehr schnellen Passagen gut, weil sie auf diese Art nicht verhuscht werden und sehr spannend wirken. Langsame Sonaten, wie z. B. das gut zehnminütige Andante K.296 sind mit einer solchen Gelassenheit gespielt, dass sie auf mich wirklich entspannend wirken – diese Wirkung stellte sich bei mir bislang nicht ein, wenn ich Scarlatti hörte. Die sehr schöne, ausgewogene Akustik unterstützt diese Wirkung. Das Klavier klingt bei aller Klarheit angenehm rund und voll.

 

Domenico Scarlatti - Sonaten - Claire Huangci
(Foto: Berlin Classics)

 

Suite G-Dur aus K. 13, 124, 125, 144, 454, 470, 284; Suite g-moll aus K. 450, 4, 76, 8, 35, 31, 108, 476; Suite D-Dur aus K. 435, 140, 32, 491, 490, 397, 278;

Sonate E-Dur aus K. 206, 322, 135; Sonate F-Dur aus K. 518, 213, 6;

Sonate a-moll aus K. 175, 296, 61; Sonate D-Dur aus K. 443, 208, 29; Sonate G-Dur aus K. 260, deest, 146, 427; Klaviersonate K. 513

 

Claire Huangci (Cembalo)

2014, Berlin Classics, 2 CDs

 

Jüngst brachte die amerikanische Pianistin Claire Huangci ein Album mit 39 Sonaten heraus, das ich für sehr empfehlenswert halte. Bei ihr klingen Scarlattis Sonaten verspielter und leichter, als bei Zacharias. Bei aller Virtuosität wird diese auch bei Huangci nie des Effekts wegen in den Vordergrund gespielt. Unterstützt wird ihr etwas anderes Spiel durch den etwas helleren Klavierklang mit leicht zurückgenommenen unteren Lagen. Manchmal gefällt mir diese Lesart besser, manchmal jedoch ist Zacharias' zupackenderer Stil angemessener. Von ihrem spieltechnischen Können liegen beide auf sehr hohem Niveau – wobei Zacharias vielleicht über eine etwas breitere und differenziertere Anschlagtechnik verfügt. Auf jeden Fall höre ich beide Einspielungen mit viel Freude. Hier die Links zu JPC und Qobuz.

 

Wenn ich mich nicht verzählt habe, überschneiden sich die Programme von Zacharias und Huangci nur bei sieben Stücken, so dass man – wenn man sich beide zulegt – knapp sechs Stunden lang mehr als 80 verschiedene Sonaten hören kann. Wenn man denn so lange durchhält.