Johann Sebastian Bach

In jungen Jahren fand ich J. S. Bachs Musik langweilig. Generell hörte ich Barockmusik nicht besonders gern – und Kammermusik war für mich meist ödes Geklimper. Von der Orchestermusik des 19. und 20. Jh. arbeitete ich mich über die Jahre ganz langsam in der Musikgeschichte zurück. Lange blieb ich dann in der Vor- und Frühklassik hängen, wo ich Bachs Nachfahren kennen und schätzen lernte.

 

Erst spät begann ich, die Musik des Barock zu entdecken. Zunächst schafften mir französische und italienische Komponisten den Zugang – zu Beginn ganz besonders Antonio Vivaldi. Aber nun also auch J. S. Bachs Musik. Sie dringt ins Herz und beschäftigt den Verstand; ich empfinde seine Musik sehr intensiv und auf allen Ebenen. Heute gehört er zu meinen liebsten Komponisten.

 

Einige der Aufnahmen, die mich zu ihm führten, möchte ich hier nun gern vorstellen.

 

Cembalo-Konzerte BWV 1052–1058

Bach - Cembalokonzerte mit Andreas Staier
Foto: Harmonia Mundi

Andreas Staier (Cembalo)

Freiburger Barockorchester

2011, Deutsche Harmonia Mundi, 2 CDs

 

Hätte ich Rezensionen im Netz Glauben geschenkt, wäre diese teilweise recht schlecht bewertete Aufnahme nicht zu mir durchgedrungen.

 

Ich bin froh, dennoch hineingehört zu haben. Was ich in den kurzen Ausschnitten hörte, elektrisierte mich regelrecht – das musste ich unbedingt komplett hören!

 

Den Download bereute ich nicht. Selbst nach mehrmaligem Hören stellt sich bei mir immer wieder diese Elektrisierung ein – spätestens (und ausgerechnet) im Adagio des ersten Konzertes. Was jemand anders als "fahl" und "akademisch" beschrieben hatte, geht mir jedesmal wieder total unter die Haut.

 

Die leisen, langsamen Sätze sind manchmal lyrisch, manchmal melancholisch – aber niemals langweilig. Die schnellen Sätze überzeugen mit packender Spielfreude und hoher Virtuosität. Immer wirken die Tempi schlüssig, niemals drängt sich der Eindruck auf, dass Schnelligkeit nur zum Demonstrieren der eigenen technischen Fähigkeiten missbraucht würde. Solist und Orchester spielen sehr schön "zusammen", weder die eine noch die andere Seite drängt sich in den Vordergrund. So wirken die Werke für mich wie aus einem Guss. 

 

Das sehr gute Ensemble wird durch eine sehr gute Tontechnik unterstützt. Auch die klangliche Balance zwischen Solist und Orchester ist perfekt, alles ist bis ins kleinste Detail durchhörbar. Die unteren Streicher haben ein schönes Volumen ohne "fett" zu klingen. Das Cembalo klingt vollmundig mit breitem Obertonspektrum.

 

Für eigene Tonaufnahmen besitze ich einen Studiokopfhörer, der manchmal fast schmerzhaft schlechte von guten Aufnahmen trennt – fürs "normale" Musikhören ist er dadurch eigentlich ungeeignet (es gibt einfach mehr schlechte als wirklich gute Aufnahmen). Die vorliegende Einspielung gehört zu den ganz wenigen, die mit diesem Kopfhörer einfach nur Freude bereiten!

 

Gleichgültig, was andere Rezensenten dazu verfasst haben, für mich ist diese Aufnahme eine echte Perle. Geschmäcker sind offenbar wirklich verschieden! Hier die Links zu JPC für die CDs und Qobuz für den Download.

 

Das wohltemperierte Clavier und Goldberg-Variationen

Eigentlich fürs Cembalo geschrieben – denn nichts anderes war das "Clavier" zu Bachs Zeiten –, höre ich diese Werke gern auf beiderlei Art Tasteninstrument gespielt. Auf einem modernen Flügel klingen sie natürlich völlig anders. Meist gefallen mir die Cembalo-Einspielungen besser; dies gilt nicht nur für die hier vorgestellten beiden Werke, sondern für viele Bach-Kompositionen für Tasteninstrumente (inkl. der Konzerte für Tastenintrument[e] und Orchester). Für Das wohltemperierte Clavier und die Goldberg-Variationen entschied ich mich dafür, beide Varianten in meine Sammlung aufzunehmen.

 

 

Bd. 1 & 2 BWV 846–893

+Goldberg-Variationen BWV 988 u. a.

Bob van Asperen, Cembalo

Virgin, 1987-1990, 6 CDs

 

 

Nach fast 30 Jahren immer noch eine der besten Einspielungen. Frisch und flott gespielt, mit wunderschönem Cembalo-Klang! Hier die Links zu JPC und Qobuz

 

 

 

Bd. 1 & 2 BWV 846–893

Friedrich Gulda, Klavier

1972–1973, MPS, 4 CDs

 

Hier ist der Klang (insbes. im 2. Buch) nicht perfekt, aber die Stücke sind für mich perfekt gespielt: Virtuos, präzise und völlig frei von Schwulst und übertriebenen Emotionen. Hier die Links zu JPC und Qobuz

 

Goldberg-Variationen BWV 988

Murray Perahia, Klavier

1000, Sony, CD

 

Eine meiner allerliebsten Klavier-Aufnahmen überhaupt – und ich kann nicht einmal begründen, warum. Sie berührt mich durch und durch; ich lege sie einfach wieder und wieder auf und fühle mich wie in einer anderen Welt. Danke, Mr Perahia! Hier die Links zu JPC und Qobuz.