Kopfhörer Sony MDR-EX300

 

Typ:               In-Ohr, geschlossen

 

Bewertung:

4 Punkte

Wie jeder gute und ehrliche Schallwandler kann auch der Sony MDR-EX300 aus einer schlechten Aufnahme keine gute machen. Bei Aufnahmen guter Qualität jedoch klingt er sehr stimmig – zusätzlich sitzt er sehr bequem.

 

Zunächst macht er nicht viel her, wenn man ihn aus der Packung nimmt: Viel Plastik und spillerige Kabel. Das wirkt wenig vertrauenserweckend und ist optisch vergleichbar mit Beipackhörern. Ob die Verarbeitungsqualität in Ordnung ist, wird die Zeit zeigen müssen. (Nachtrag Januar 2014: Fünf Jahre nach der Anschaffung ist noch immer alles einwandfrei, der Dauertest gilt also als bestanden!) Die einseitige Kabelführung links gefällt manchen Zeitgenossen nicht. Ich habe damit keine Probleme. Ganz im Gegenteil: Weil ich meinen MP3-Player am liebsten in der Hemdtasche trage, empfinde ich diese Tragweise als sehr angenehm. Dies wird unterstützt durch das kurze Anschlusskabel, das bei Bedarf um rund einen Meter verlängert werden kann.

 

Die im Lieferumfang befindliche Tasche ist eigentlich eine nette Sache. Allerdings ist der Aufwickler für das Kabel noch nicht wirklich ausgereift. Für ein einziges langes Kabel durchaus geeignet, ist es schwierig, das zweigeteilte Kabel des EX300 sinnvoll darauf aufzuwickeln. Auch die (für sich gesehen ebenfalls praktische) Kabeleinstellvorrichtung passt nicht in die Tasche. Am besten lässt man den Aufwickler weg, dann muss man allerdings aufpassen, dass die dünnen Kabel sich nicht verheddern.

 

Trotz der ungewöhnlichen Bauform mit dem quer liegenden Membran-Gehäuse passt der relativ große EX300 erstaunlich gut in meine Ohrmuschel. Die weichen Gummi-Aufsätze sorgen für eine hohe Schallabdichtung nach außen, dadurch hört man Körpergeräusche stärker als gewohnt. Man muss ihn nicht besonders weit in den Gehörgang einschieben, aus diesem Grund drückt er nicht und sitzt dennoch gut fixiert und bequem.  So ist er auch für längere Hörsitzungen geeignet.

 

Zum Vergleich wurden Beipackhörer verschiedener Hersteller (Toshiba, Medion, Creative, iRiver und Namenlose) herangezogen, daneben Sennheiser PX200 als Vertreter der kleineren ohraufliegenden, sowie ein Beyer DT 531 für die Riege der großen ohrohrumschließenden Kopfhörer. Ein portabler Player des Typs iRiver e100 wurde mit einer Auswahl verschiedenster Titel im verlustfrei komprimierten FLAC-Format bestückt.

 

Der Wirkungsgrad des EX300 scheint recht hoch, denn er tönt auch schon bei niedrigen Einstellungen des Lautstärkereglers ordentlich. Das ist wichtig, um auch bei leisen Passagen in lauter Umgebung Spielraum zu haben. Außerdem sorgt dies, gepaart mit der niedrigen Impedanz des EX300 von 16 Ohm dafür, dass auch Player mit niedriger Betriebsspannung ausreichende Lautstärke produzieren. Dank hoher Belastbarkeit bleiben Klirrverzerrungen auch bei recht hohen Pegeln unter der Hörbarkeitsschwelle. Wenn einmal hörbare Verzerrungen entstehen sollten, dann wahrscheinlich eher durch begrenzende Ausgangsstufen der Elektronik, als durch den Kopfhörer.

 

Im nicht eingespielten Neuzustand klingt der Sony EX300 in den Mitten zunächst etwas blechern und näselnd. Das legt sich aber nach wenigen Tagen und dann verblüfft er mit einem sehr verfärbungsarmen und vollen Klangbild. Es ist Welten von allen Beipackhörern entfernt, die sich bei mir im Laufe der Jahre angesammelt haben. Selbst die Kopfhörer des ansonsten hervorragend klingenden iRiver e100 klingen dagegen äußerst mager und verfärbt.

 

Hochwertige Jazzaufnahmen sind sehr gut durchhörbar. Feine Details werden nicht unterschlagen, aber auch nicht überbetont. Bei klassischer Musik begeistern große Orchster ebenso, wie Gesang oder Kammermusik. Bei Popmusik hört man oft, wie schlecht im Studio gearbeitet wurde. Gute Aufnahmen dagegen klingen sehr anspringend und voller Leben. Bei bassstarken Aufnahmen ist der Bass präsent, dabei aber recht trocken und präzise. Bei bassarmen Aufnahmen wird der nicht vorhandene Bass auch nicht künstlich produziert, wie es mir vor einiger Zeit bei Koss-Kopfhörern auffiel. Über den sehr stimmigen Grundtonbereich geschieht die bruchlose Anbindung an die mittleren Tonlagen. (Sennheisers PX200 gelingt dies nicht ganz so gut.) Die Mitten verhalten sich im besten Sinne unauffällig und sorgen für eine sehr klare und gut verständliche Sprachwiedergabe. Die Höhen sind fein aufgelöst und nicht aufdringlich, Zischlaute klingen sehr sauber. Der EX300 ist tonal so ausgewogen, dass der Equalizer des iRiver e100 dauerhaft ausgeschaltet bleiben kann.

 

In Sachen Räumlichkeit verhält sich der EX300 schon besser, als die kleinen Beipackhörer, auch klingt er durchaus luftiger. Allerdings reicht er in diesen Disziplinen nicht an einen großen ohrumschließenden Kopfhörer heran. Auch der kleine Sennheiser PX200 kann hier ein wenig punkten. Bei meinem letzten größeren Kopfhörer-Vergleich fiel mir schon einmal auf, dass Räumlichkeit und Luftigkeit offenbar erst mit zunehmenden Abstand der Membran vom Ohr wirklich besser werden. Unterwegs, beim Hören in oft recht lauter Umgebung, spielen diese Kriterien aber meist keine so große Rolle, wie in ungestörter Umgebung zuhause.

 

Um mehr erwarten zu können, muss man wahrscheinlich sehr viel tiefer in die Tasche greifen, der nächstgrößere Sony MDR-EX500 jedenfalls kostet gleich doppelt soviel. Ob sich das wirklich lohnt, mag jeder für sich selbst entscheiden. Ich selbst bleibe – zumindest vorerst (als Musik-Begeisterter ist man vor Veränderungen nie sicher) – beim EX300 und habe als Ergänzungen "für alle Fälle" meinen Beyer-Kopfhörer zur Verfügung.

 

Fazit: Schlecht aufgenommene oder schlecht codierte, überkomprimierte MP3-Dateien lässt der Sony MDR-EX300 grausam klingen. Gute Aufnahmen dagegen kommen sehr sauber und tonal ausgewogen. Lediglich bei der Wiedergabe des Raumes sind ganz leichte (meiner Meinung nach aber bauformtypische) Einschränkungen festzustellen, die den Gesamteindruck nicht wesentlich schmälern. Bei der Zusammenstellung einer Musiksammlung für den mobilen Player sollte man sehr sorgsam vorgehen und vielleicht sogar (wenn der Speicherplatz es zulässt) auf das ohne Verluste komprimierende FLAC-Format setzen. Der Player muss es natürlich auch abspielen können.

 

Obgleich klanglich und verarbeitungstechnisch nach oben sicherlich noch ein wenig Luft ist, muss ich unter den Gesichtspunkten der guten Ausstattung und des niedrigen Preises eine unbedingte Empfehlung aussprechen.

 

Testzeitraum: 01.03.2010-01.04.2010

 

Nachtrag April 2010

 

Mein Sony MDR-EX300 hat seinen Meister gefunden: Den Sennheiser IE8. Dieser hat ein grundsätzlich ähnliches Klangverhalten wie der Sony, arbeitet aber in allen Bereichen noch souveräner, leichter, selbstverständlicher, mit mehr Raum: Er lässt mehr Luft zwischen den einzelnen Akteuren der imaginären Bühne. Leider kostet er rund sechsmal soviel wie der Sony, aus diesem Grund bleibt Letzterer auch mein Begleiter für den Alltag unterwegs. Beim IE8 wäre es deutlich schmerzhafter, ihn einmal liegenzulassen oder zu verlieren. Ausführlicher Test Sennheiser IE8

 

Nachtrag Februar 2013

 

Der EX 300 SL ist mittlerweile nicht mehr erhältlich. Nun gibt es den EX 310 LP. Wie er klingt, kann ich aus eigener Erfahrung (noch) nicht beurteilen. Auf den ersten Blick scheint es sich um einen im Detail weiterentwickelten und verbesserten EX 300 zu handeln. In Testberichten wird ausnahmslos sein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hervorgehoben, Kundenberichte sprechen eine ähnliche Sprache. Weitere Testberichte.