Musikwiedergabe

Der Abschnitt Musik gehört natürlich an die erste Stelle dieses Kapitels. Denn in erster Linie soll HiFi-Technik uns Musik hörbar machen. Stünde die Musik nicht an erster Stelle, wäre die Beschäftigung mit High Fidelity reiner Selbstzweck, oder – böser formuliert – Klangfetischismus.

 

Viele HiFi-Fans gelangen irgendwann an einen Punkt, an dem die Jagd nach dem letzten Funken Klangtreue wichtiger wird, als die Musik selbst. Ich nehme mich davon nicht aus. Gerade während der Zeit, in der ich sehr aktiv Lautsprecher und Elektronik konstruierte, war auch mir die Klangtreue oft wichtiger als das Stück, das da gerade wiedergegeben wurde. 

 

Mittlerweile gebe ich mich (wieder) mit bescheideneren Wiedergabegeräten zufrieden. Ein gewisser Mindest-Qualitätsstandard muss zwar erfüllt sein, den erreichen – bei guter Auswahl und Abstimmung – heutzutage jedoch auch viele preiswerte Geräte. Highend-Geräte mögen fürs Prestige gut sein, der Musik bringen sie mich nicht näher. Während meiner Schul- und Studienzeit wunderte ich mich oft darüber, das gerade Musik-Studenten ihre Schallplatten (Digital gab es damals noch nicht) meist auf grotten-schlechten Plattenspielern – also nicht einmal über eine „richtige Stereo-Anlage“ – abspielten. Einer von ihnen entgegnete mir einmal: „Die musikalische Struktur und ihre Tiefe entdecke ich nicht in besserem Klang“. Und: Die Beschäftigung mit Letzterem würde ihn von Ersterem ablenken. Heute verstehe ich ihn.

 

Befreit vom Zwang, ob's über A besser klingt als über B oder C, tauche auch ich wieder viel tiefer in die Musik selbst ein. Heute interessiert mich wieder mehr, welche der vielen Interpretationen der Beethoven-Sinfonien mir am besten gefällt. Bei der Aufnahme selbst werte ich die Interpretation – zumindest ein wenig – stärker als den Klang. So gefallen mir die meisten der alten Leibowitz-Aufnahmen – 1961 als Billigaufnahmen bei Reader's Digest erschienen – noch immer besser, als aktuelle, klanglich blitzblank polierte Hochglanz-Aufnahmen (gleichgültig, ob mit historischen oder modernen Instrumenten dargeboten). Trotz der altersbedingten (leichten!) klanglichen Mängel sprechen mich Leibowitz' Interpretationen einfach mehr an und reißen mich mit. Manchmal gibt es natürlich auch Glücksfälle, und es passen Klang wie Interpretation. Wie etwa bei der Aufnahme der 7. Sinfonie mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter Honeck aus 2015; hier ist die Klangqualität auf dem besten Stand Zeit – und auch sie ist einfach mitreißend, besonders im temperamentvollen letzten Satz!

 

Ein paar Aufnahmen, bei denen es quasi nur um die hohe Klangqualität geht, besitze ich natürlich nach wie vor. Wenn neue Geräte getestet werden sollen, wäre es fatal, diese Tests mit technisch weniger gutem Material durchzuführen, denn damit klängen am Ende alle Geräte gleich.

 

In meinen Musik-Empfehlungen (s. Musik-Kritiken in meinem neuen Kritiken-Blog) versuche ich, beiden Seiten gerecht zu werden und sowohl hinreißende Interpretationen, wie auch super klingende Aufnahmen vorzustellen. Am besten sind wie schon gesagt Aufnahmen, die beides erfüllen.