Biwiring und Biamping

Viele Lautsprecherboxen haben anstatt eines Anschlusspaares zwei Paare für den Anschluss zweier Kabel. Derart ausgestattete Lautsprecher lassen zur normalen Standardverdrahtung mit nur einem Kabel zwei weitere Modi zu: Das Biwiring, also die Doppelverdrahtung, oder auch das Biamping mit zwei Verstärkerendstufen. Pro Stereo-Kanal, versteht sich – also mit vier Endstufen insgesamt.

 

Biwiring

Beim Bi-Wiring besteht die Verbindung zwischen Endstufe und Lautsprecher nicht nur aus einer zweiadrigen Lautsprecherleitung, sondern aus zwei jeweils zweiadrigen Leitungen. Am Verstärkerausgang liegen beide Leitungen zusammen. 

Biwiring
Single- und Biwiring (Quelle: Losch, Wikipedia)

 

Das soll angeblich zur "besseren Entkopplung" zwischen den Bereichen führen. Messen kann man das nicht – und:  Ich höre es auch nicht!

 

Wichtig allerdings: Wenn Biwiring-Terminals vorhanden sind, dann sollte man diese zumindest nicht mit den üblichen billigen Blechstreifen überbrücken, sondern mit einer hochwertigen Kabelbrücke oder – besser – einem Y-Adapter (hochwertig mus dabei nicht absurd teuer sein!!!). Die billigen Brücken können nämlich leider wirklich zu einer hörbaren Klangverschlechterung führen! Am besten von vornherein zwei Kabel anschließen! Mehr zum Thema Kabel ...


Biamping

Anders sieht die Sache beim Biamping aus. Hier sitzt im Signalweg vor den Kabeln nicht eine Verstärker-Endstufe, sondern derer zwei. 


Biamping
Single- und Biamping (Quelle: Losch, Wikipedia)

 

 Hier sind die beiden Zweige wirklich voneinander entkoppelt, Rückströme aus dem einen können nicht mehr in den anderen Zweig einfließen; und die Endstufen müssen ihre Leistung nicht mehr breitbandig abgeben, sondern nur noch in einem eingeschränkten Bereich.

 

Weil am meisten Energie im Bassbereich umgesetzt wird, wird auch dieser am ehesten übersteuert (der Fachbegriff dafür lautet Clipping) und verursacht dann Verrzerungen. Von einem einzelnen Verstärker angesteuert, wirkt sich das Clipping auf den gesamten Hörbereich aus. Entsteht es dagegen nur im Bassverstärker, kann es sich nicht auf den Mittelhochtonbereich auswirken.

 

In der Praxis bedeutet das Biamping, dass die für einen gewissen Schalldruck geforderte Gesamtleistung beider Verstärker auf etwa die Hälfte einer einzelnen Endstufe sinkt. Daneben verteilt sich diese Leistung noch auf zwei Zweige. Dazu ein kleines Rechenbeispiel:

 

Eine 3-Wege-Lautsprecherbox mit einer Nennimpedanz von 4 Ohm und Trennfrequenzen von ca. 300 Hz und 3 KHz läuft voll zufriedenstellend an einer 200-W-Endstufe. (Wir reden hier übrigens immer von Sinus-Dauerleistung!) Die Box soll nun im Biamping betrieben werden. Die alte Verstärker-Leistung wird zunächst halbiert, das ergibt eine Gesamt-Leistung von 100 W. Bei gleichem Wirkungsgrad möchte davon bei der genannten Übergangsfrequenz der Tieftöner etwa 50 W haben. Der Mitteltöner zweigt sich zwischen 30 und 40 W ab, sowie der Hochtöner bestenfalls 10 W. Hier liegen wir  – damit gute Clipping-Grenzen bestehen – mit je 50 Watt folglich auch auf der sicheren Seite. Wir möchten kein "Tri"-Amping betreiben, daher werden Mittel- und Hochtöner zu einem einzigen Zweig zusammengefasst. Auch in diesem Fall sind 50 Watt für den kompletten Zweig mehr als ausreichend. Wenn die Wunsch-Endstufen ein wenig mehr bringen, schadet das natürlich nicht; Clipping ist – insbesondere zu hohen Frequenzen hin – für einen Lautsprecher schlimmer, als kurzzeitige Überlast!

 

Für den Biamping-Betrieb in Stereo würden also 4 x min. 50 W bis ca. 4 x 100 W an 4 Ohm benötigt werden. Wichtig ist, dass alle Endstufen baugleich oder zumindest sehr ähnlich aufgebaut sind, nur so können klangliche Inhomogenitäten vermieden werden. Auf jeden Fall sollten die Eingangsempfindlichkeiten identisch sein!

 

Es könnten vier Mono-Blöcke (meist zu teuer), oder aber auch zwei Stereo-Endstufen eingesetzt werden. Für Letztere gibt es zwei Betriebsarten:

 

Vertikalbetrieb

 

Eine Stereo-Endstufe betreibt eine Box, der linke Verstärker-Kanal geht also z.B. auf den Basszweig der Box und der rechte auf den Mittelhochtonzweig. Vorteile: Hohe Kanaltrennung zwischen links und rechts, die Endstufen können nahe an den Boxen plaziert werden, was eventuell zu kürzeren Lautsprecherkabeln führt. Hier müssen die Endstufen unbedingt identisch sein!

 

Horizontalbetrieb

 

Eine Endstufe betreibt die Mittelhochton-Einheiten der linken und der rechten Box. Die andere Endstufe nur die Bass-Einheiten beider Boxen. Vorteile: Hier wirkt sich Übersteuerung im Bass noch weniger auf den Mittelhochton-Bereich aus. Man kann einen vorhandenen Vollverstärker zunächst um eine einzelne Stereo-Endstufe ergänzen. Im Gegensatz zum Vertikalbetrieb müssen erstes und zweites Endstufen-Paar hier nicht identisch sein. Allerdings erhöhen ähnliche bis identische (schaltungstechnische) Eigenschaften die klangliche und räumliche Homogenität.

 

Welche Variante ist nun die bessere? Laut connect: "Etwas wärmer und runder die vertikale Version, während die horizontale mit genauerer Ortung, größerem Raum, kontrollierterem Bass sowie feinerer Stimmenwiedergabe bestach."

 

Man muss es am Ende an den eigenen Lautsprechern testen, die Kabel sind ja schnell umgesteckt. Mehr zum Thema Kabel ...

 

Hier einige Links zu weiteren (kritisch zu lesenden!) Informationen:

connect

Stereoplay

Teufel