MFT-Kameras

Weil ich – wie im übergeordneten Abschnitt ausführlich begründet – Micro Four Thirds für hochinteressante Kameras halte, möchte ich nun einige aus meiner Sicht interessante Kameramodelle kurz vorstellen. Die Objektive dazu folgen dann im nächsten Abschnitt.

 

Die beiden Hersteller Panasonic und Olympus bieten im MFT-System Kameras aus zwei Kategorien an: Zum einen die etwas größer gebauten Modelle, die äußerlich an klassischen Spiegelreflex-Kameras orientert sind, zum anderen die kleineren, eher an Kompaktkameras orientierten Modelle. Die Kleinen kommen oftmals ohne Sucher. Für die ernsthafte Fotografie sind sie meiner Meinung nach nicht geeignet, da selbst die besten Displays beim Einsatz im direkten Sonnenlicht kaum erkennbar sind! Auch von Aufsteck-Suchern halte ich nichts, weil man dann der Möglichkeit beraubt wird, gleichzeitig ein brauchbares Blitzgerät zu benutzen.

 

Bot Panasonic bislang meist ein wenig mehr im Bereich Video, so hat Olympus hier mit den letzten Modellen seit 2015 deutlich aufgeholt. Fotografen, denen Video nicht wichtig ist, können auch bedenkenlos zu älteren Olympus-Kameras greifen. Die Sensoren liegen bei beiden Firmen auf ähnlichem Niveau. In Tests älterer Modelle lag Olympus meist ein wenig vorn, sie konnten aus den Objektiven oft ein klein wenig mehr Auflösung herausholen. Bei den aktuellen Modellen hält sich das stärker die Waage: Mal liegt das eine, mal das andere in einem Parameter einen Hauch vorn. Wurden zuletzt fast ausschließlich 16-Megapixel-Sensoren verbaut, so tauchte im Sommer 2015 der erste 20-Megapixel-Sensor in der Panasonic Lumix DMC-GX8 auf, Olympus folgte Anfang 2016 mit der Pen F und 2017 mit der OM-D E-M1 Mark II. Inwieweit der Megapixel-Wahn zu einer Verbesserung der Bildqualität führt, sei dahingestellt – ich wünschte mir statt immer höherer Pixelzahlen eine Erhöhung der sinnvoll nutzbaren Lichtempfindlichkeit. Laut der Messungen von DxOMarks soll jedoch zumindest der Sensor der Olympus E-M1 Mark II auf dem Niveau eines APS-C- bzw. DX-Sensors liegen.

 

Hier nun aber endlich meine kleine Positiv-Auswahl empfehlenswerter MFT-Kameras:

 

Kompakte Modelle

 

Panasonic Lumix DSC-GX7

 

Nach längererRecherche hatte ich mich im Frühjahr 2015 für diese kompakte Kamera entschieden. Sie ist deutlich kleiner und leichter als meine DSLR mit DX-Sensor, aber auch kein Winzling für die Hemdtasche.

 

Sie ist sehr gut verarbeitet (Magnesium-Chassis) und liegt richtig gut in der Hand. Einige Tasten lassen sich persönlich belegen, so dass man sich im Alltag nicht durch unübersichtliche Menüstrukturen hangeln muss. Praktisch sind Klapp-Display und -Sucher. Beide arbeiten mit guter Helligkeit und hoher Auflösung.

 

Die Kamera produziert erstaunlich knackige, in den Tonwerten fein abgestufte Bilder. Aus Rohdaten lässt sich Rauschen bis etwa ISO 1600 gut eliminieren, um ISO 3200 wird es kniffliger (bleibt aber machbar). ISO 6400 und mehr sollte man aus meiner Erfahrung heraus nicht einsetzen!

 

Unter dem Strich liefert die Kamera, mit entsprechender Optik bestückt, technisch kaum schlechtere Fotos als eine DSLR mit APS-C- (DX-) Sensor gleicher Auflösung – der ja immerhin fast die doppelte Fläche aufweist.

 

Auch die Videoqualität ist überraschend gut. Ich hätte mir nur noch einen Eingang für die Zuschaltung eines externen Mikrofones gewünscht. Das interne ist bestenfalls für den Nahbereich geeignet und nimmt – prinzipbedingt – munter jede Menge Störgeräusche mit auf. 

 

Nach mittlerweile zwei Jahren bereue ich die Anschaffung der kleinen GX7 nicht. Ganz im Gegenteil arbeite ich daran, das System auszubauen und mein Nikon-DX-System „in Rente“ zu schicken.

 

Leider wurde die Produktion der GX7 eingestellt, so dass sie als Neuware seit dem Frühjahr 2016 nicht mehr erhältlich ist. Immerhin gibt es noch eine Produktseite: Link zum HerstellerEs gibt zwei Nachfolger: Seit Sommer 2015 die im nächsten Abschnitt beschriebene GX8, sowie die neuere GX80, welche aber als stark abgespeckte, billig verarbeitete Sparversion anzusehen ist, die mir persönlich nicht gefällt. 

 

Panasonic Lumix DSC-GX8

 

Die GX8 ist eine in Teilbereichen weiter verbesserte Nachfolgerin der GX7. Beim generalüberholten Sensor wurde die Auflösung auf 20 Megapixel erhöht. Das Gehäuse besteht besteht wieder aus einer Leichtmetall-Legierung und ist nun abgedichtet gegen Staub und Spritzwasser. Die GX8 ist ein wenig größer als ihre Vorgängerin, hat einen stärker ausgeprägten Handgriff und liegt dadurch noch besser in der Hand. Im Videobereich bietet die neue Kamera 4K (wer's denn bei solch einer Kamera braucht ...). Das nur auf einer Achse schwenkbare Display wurde in ein voll bewegliches umgewandelt. Bei meiner Nikon habe ich diese Art des Displays in vielen Situationen zu schätzen gelernt. Zu den weiteren Neuerungen der GX8 zählt der Mikrofoneingang, der leider als 2,5-mm-Exot ausgeführt ist und einen Adapter nötig werden lässt. Auf einen eingebauten Blitz wurde erfreulicherweise verzichtet. Unterm Strich scheint die GX8 gleichermaßen für Fotografen wie Videografen geeignet zu sein. Der reine Gehäuse-Preis hat sich bei knapp 800 Euro eingependelt. Link zum Hersteller

 

 

Olympus PEN ...

 

Diese Baureihe bietet sehr kompakte, interessant gestaltete Kameras (eine Mischung aus "Retro"-Look und modernen Anklängen). Bislang kamen sie für mich nicht in Frage, weil ich kein Freund sucherloser Kameras bin. Auch optional einsetzbare Aufstecksucher mag ich nicht: Sie belegen den Blitzschuh und sind meist so teuer, dass man auch gleich ein Modell mit eingebautem Sucher anschaffen kann.

 

Mit der im Frühjahr 2016 vorgestellten Pen F änderte sich das: Nun ist ein elektronischer Sucher hoher Qualität (groß, hell und klar) eingebaut. Auf einen eingebauten Blitz wurde verzichtet. Stattdessen verfügt die Kamera über einen Blitzschuh und es wird ein kleiner Systemblitz beigelegt, der zwar über eine niedrige Leitzahl verfügt, dessen Kopf aber immerhin wie ein großer voll kipp- und schwenkbar ist. Seinen Strom bezieht er aus der Kamera. Im Bereich weniger Meter kann dieser kleine Begleiter ein durchaus brauchbares Hilfsmittel sein – brauchbarer jedenfalls als die üblichen, festverbauten Miniblitze. Davon abgesehen verfügt die Kamera über eine Ausstattungsvielfalt, die ich hier kaum  in wenigen Worten beschreiben kann. Auch technisch ist sie auf der Höhe der Zeit: u. a. wurde ihr – als zweiter MFT-Kamera – ein 20-Megapixel-Sensor spendiert.

 

Verarbeitungstechnisch mutet sie mit ihrem offenbar aus einem Stück gefrästem Leichtmetallgehäuse sehr wertig an. Allerdings ist sie nicht wetter- und staubgeschützt. Auch hätte ihr bei der kompakten Bauweise zumindest die Andeutung eines Handgriffes gut getan. Trotz aller guten Eigenschaften nehme ich sie nicht so gern in die Hand, wie die Panasonic-Kameras GX7 oder GX8. Ein Handgriff ist zwar als optionales Zubehör lieferbar, erhöht den meiner Meinung nach schon nicht günstigen Grundpreis von etwas über 1.000 Euro (für das reine Gehäuse) um weitere, nicht angemessene 120 Euro. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis ist das aus meiner Sicht nicht unbedingt. Link zum Hersteller.

 

 

Größere Bauformen

Diese „größeren“ Bauformen ähneln äußerlich meist DSLRs, verfügen jedoch nicht über deren Spiegel und sind daher kleiner und leichter als diese; manchmal sogar – wie bei Olympus' M10-Modellen – kaum größer als Kameras im Kompakt-Stil. Panasonics GH-Modelle fühlen sich dagegen genauso groß und schwer, wie eine kleine DSLR! Aktuell ist ein Trend zum Retro-Design zu beobachten. Insbesondere Olympus orientiert sich an den beliebten OM-Modellen aus den 1970er Jahren. 

 

Hier seien nur einige, für mich herausragende Modelle, ganz kurz mit Gehäuse-Preis (also ohne Objektiv) aufgelistet. Der Typenbezeichnungs-Link führt direkt zur Herstellerseite, der Preis-Link zum Preisvergleich bei Idealo:

 

Olympus OM-D E-M1 II (2.000 EUR)

Olympus OM-D E-M5 II (950 EUR)

Olympus OM-D E-M10 II (500 EUR)

Olympus OM-D E-M10 III (650 EUR)

Panasonix Lumix DMC-GH4 (900 EUR)

Panasonix Lumix DMC-GH5 (1.900 EUR)

Panasonic Lumix DMC-G81 (800 EUR)

 

 

Zur Photokina 2016 wurde die Panasonic Lumix DMC-G81 vorgestellt. Sie hat ein solides, z. T. aus Metall gebautes und staub- und feuchtigkeitsgeschütztes Gehäuse sowie einen 5-Achsen-Stabilisator. Seit dem ersten Quartal 2017 ist sie nun auch endlich auf dem Markt verfügbar. Der Straßenpreis hat sich zwischen 700 und 750 EUR fürs Gehäuse eingependelt.

 

Etwas günstiger bietet Olympus den Einstieg mit der OM-D E-M10 III an (die kaum schlechtere Vorgängerin E-M10 II ist nochmals deutlich günstiger!). Sie besitzt ein solides Gehäuse und einen Bildstabilisator (wenn auch vielleicht nicht ganz so ausgeklügelt, wie bei den etwa doppelt so teuren Top-Modellen).

 

Seit Kurzem hat Olympus das Top-Mdell neu aufgelegt, die OM-D E-M1 Mark II. Panasonic folgt mit seinem neuen Flaggschiff DMC-GH5. Allein die Gehäuse beider Kameras kosten jeweils um 2.000 EUR. Für mich sind das völlig inakzeptable Preise. Wenn schon die Umsatzzahlen für Kameras rückläufig sind, wird man gewiss keine Kunden gewinnen, in dem man die Preise gegenüber den Vorgängemodellen mal eben um 50 % oder mehr erhöht; zumal für uns Europäer der bescheidene Euro-Wechselkurs der jüngeren Vergangenheit alle Asien-Importe zusätzlich verteuert.

 

Meine aktuellen Favoriten für neue Gehäuse sind Panasonics DMC-G81 und GX8.

 

 

11.08.2015 - 17.09.2017