Fotoausrüstung

 

Das Foto mag im Kopf des Fotografen entstehen – dennoch werden für die Umsetzung Werkzeuge benötigt.

 

Ohne scharfe Linse kein scharfes Bild: Was hinten nicht aus einem Objektiv herauskommt, ist verloren; kein Rekonstruktionsversuch kann es zurückholen oder ersetzen!

 

Gleiches gilt für den Sensor, der modernen Entsprechung zum alten analogen Film: Was er mit Störungen (wie z. B. Rauschen) überdeckt, was er unterdrückt oder gar schluckt, ist auch hier verloren.

 

Die Kamera selbst dagegen wird oft überbewertet. Sie wirkt sich im Gegensatz zu den Vorgenannten vergleichsweise geringfügig direkt auf die Bildquaität aus. Sie wirkt eher dadurch, dass sie durch ergonomische Eigenschaften (Anfass-Gefühl, guter Schwerpunkt) die Kreativität des Fotografen fördert oder behindert.

 

Schließlich existiert allerlei Zubehör, das dem Fotografen das Fotografieren erleichtern soll – manchmal allerdings auch das Gegenteil bewirkt.

 

Um all diese eher technischen Dinge soll es in diesem Abschnitt gehen.  

 

 

Wo informieren?

 

Vor vielen Jahren stellte sich diese Frage kaum. Man ging in ein Foto-Fachgeschäft und ließ sich beraten. Gute – im Sinne objektiver – Beratung war selten, aber möglich. Dazu gab es einige wenige Fotozeitschriften, die bei ihren Tests jedoch auch nicht unbedingt immer mit Objektivität beeindruckten.

 

Heute haben große Elektronik-Märkte die Fachgeschäfte weitgehend verdrängt. Das Angebot wurde größer, Umfang und Qualität der Beratung sind dagegen auf dem niedrigst denkbaren Level angelangt. Die Ausnahme stellen die wenigen  übrig gebliebenen kleinen Foto-Fachgeschäfte dar, welche jedoch auch dem Untergang geweiht sein, wenn wir unsere Ausrüstungen nur noch im Internet bestellen (oftmals, um nur wenige Euro zu sparen).

 

Seit dem Siegeszug der Digitalfotografie "bereichern" zahlreiche neue Zeitschriften den Markt, die Qualität der Informationen wurde im Ganzen gesehen aber auch hier nicht gesteigert. Zwar hat das Internet den Zugang zu Informationen erleichtert, die daraus resultierende Informationsflut überfordert jedoch schnell.

 

Ich möchte an dieser Stelle versuchen, den Informations-Dschungel ein wenig zu lichten und einige Tipps für qualitativ hochwertige Quellen zu vermitteln.

 

Digital Photography Review, kurz: DPReview, ist eines der umfassendsten Internet-Portale zur Fotografie. Es wirkt ein wenig unübersichtlich, außerdem steht es nur in Englisch zur Verfügung. Die Informationen sind allerdings äußerst umfasssend und tiefgehend. Alle Inhalte sind kostenlos, wenig Werbung außer einigen Affiliate-Links.

 

dkamera.de ist ein ähnliches digitales Magazin in Deutsch. Die Zahl der getesteten Kameras ist vielleicht nicht ganz so umfassend, wie bei DPReview; aber auch hier sind die Tests sehr gut vereinheitlicht und dadurch untereinander gut vergleich- und nachvollziehbar. Für eigene Begutachtungen und Vergleiche wird umfangreiches Material kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Inhalte sind kostenlos, es gibt praktisch keine Werbung außer wenigen Affiliate-Links.

 

digitalkamera.de veröffentlicht sehr ausführliche, gut geschriebene Testberichte. Gemessen wird hier mit einem DxO-Analyzer. Der Betreiber führte früher den Online-Handel Imaging One, dennoch halte ich ihn und seine Redaktion für objektive und neutrale Berichterstatter. Die Testberichte sind kostenlos; die Belege dazu (die sogenannten Laborblätter) können gegen kleines Entgelt heruntergeladen werden. Auch hier praktisch keine Werbung außer Preisvergleichs-Hinweisen und Affiliate-Links.

 

Im Punkt Werbung unterscheiden sich alle bislang genannten Portale deutlich von den Webauftritten der Printmedien, die zum Teil regelrecht nerven mit ihren Werbe-Einblendungen. Nicht nur aus diesem Grund interessieren mich Printmedien kaum noch – weder die Hefte noch die Webauftritte. Zu wenig nachvollziehbar und transparent sind meist die Testverfahren, zu abhängig scheinen viele Verlage von der geschalteten Werbung. Oft wird extrem reißerisch, aber oberflächlich bis fehlerhaft recherchiert und berichtet.

  

Am ehesten noch kann ich mich mit c't Fotografie anfreunden. Ihre Berichterstattung ist – im für mich positiven Sinne – stark technisch gefärbt. Als Ableger des Heise-Verlages entstad sie aus einem Sonderheftprojekt der c't-Redaktion. Ähnlich hoch, wie bei der Computer-Zeitschrift c't ist das Niveau auch hier: Angesprochen werden Berufs- und ernsthafte Hobby-Fotografen. Oberflächlich aufbereitete Anfänger-Themen (wie sie so oft in den Massenblättern zu finden sind) gibt es nicht. Natürlich muss man auch bei der c't Fotografie sehr kritisch lesen, wie dieser Artikel auf traumflieger.de zeigt. (Wobei auch die traumflieger.de-Inhalte nicht immer gut – im Sinne von objektiv – recherchiert sind, deswegen gebe ich hier auch keine Empfehlung für dieses Portal). Abonnenten erhalten kostenlosen Zugriff auf die seit 2010 erschienen Artikel im Online-Archiv; für Nicht-Abonnenten werden meist um die 3 Euro pro Artikel (!) verlangt.

  

Anmerkung: Mehrere Euro für ein paar Blätter, die man sich für wenige zehn Cent aus der Zeitschrift kopieren könnte – das ist in meinen Augen Abzocke und ziemt sich nicht für einen Verlag, der sonst gern vorgibt, im Auftrag des Kunden zu handeln (konkret denke ich dabei an die Reihe "Vorsicht Kunde" in der c't).

 

Außerdem betreibt die Redaktion ein Internet-Portal zur Fotografie, das sich  "Heise-Foto" nennt. Seit Neuestem ist es leider eine geschlossene Gesellschaft ist, zu der man nur gegen Bezahlung kompletten Zugang erhält. War es in früheren Zeiten eine willkommene kostenlose Ergänzung zur Printausgabe, decken sich die Inhalte heute weitgehend, so dass das kostenpflichtige Abo für den Zugang eigentlich unnötig ist, weil es keinen echten Mehrwert bietet.

 

Die Zeitschrift Videoaktiv bietet gute Informationen und Tests zu allem, was sich um das Thema Video dreht: Camcorder, Fotokameras, Tontechnik, Videobearbeitungs-Software, Zubehör und mehr. Abonnenten erhalten Zugriff auf besondere Webseiten-Inhalte sowie Themen-Sonderhefte in digitaler Form. Leider ist das Heft selbst nur als Printausgabe im Abo erhältlich, die digitale Ausgabe kann man sich nur als Einzelheft herunterladen. Für mich als jemanden, der mit seiner Kamera nicht nur fotografiert, sondern gelegentlich auch gern einen Videoclip produziert, wurde Videoaktiv zur gern genutzten Informationsquelle. 

 

Stiftung Warentest sei hier nur am Rande erwähnt. Testergebnisse können in den Printausgaben oder im (größtenteils kostenpflichtigen) Internetportal nachgelesen werden. Leider überkommt mich bei der Stiftung immer ein ungutes Gefühl. Sie vermittelt einen halbamtlichen Eindruck und wie bei allem Amtlichen ist dieser Eindruck nicht immer von Kompetenz geprägt. Wieviel versteht jemand, der am einen Tag Waschmaschinen und am nächsten  Hundefutter testet, von Kameras? Das Desaster um den Test von E-Mail-Anbietern Anfang 2015 war wieder einmal ein kleines Lehrstück dazu. 

 

DxOMark ist die Objektiv- und Sensor-Datenbank des französischen Herstellers DxO Labs. Diese Firma ist für ihre Analyzer bekannt, daneben für Fotosoftware wie z. B. den RAW-Konverter DxO Optics Pro mit seinen genialen Tools zur Objektivkorrektur und Rauschunterdrückung oder Viewpoint zur perspektivischen Entzerrung. Der Hersteller selbst misst fast jede neu auf den Markt kommende Sensor-Objektiv-Kombination aus, um sie als Korrekturdaten in den RAW-Konverter einfließen zu lassen. Somit betreibt DxO die vielleicht größte Datenbank für Sensor- und Objektivdaten weltweit. Im Gegensatz zu Herstellerangaben sind diese Daten unter immer denselben Bedingungen ermittelt und untereinander direkt vergleichbar; und im Gegensatz zu den meisten Zeitungs-Tests gibt es die Informationen ohne zeilenschindendes leeres Geschwafel. Die Tests von Kamera-Gehäusen umfassen dabei ausschließlich den Sensor und nicht etwa das ganze Gehäuse – dies ist bei eigenen Vergleichen zu berücksichtigen! Die meisten Inhalte stehen in Deutsch zur Verfügung.

 

Bevor man jedoch damit beginnt, sich über Kameras zu informieren, sollte man sich genau überlegen, für welche Zwecke man überhaupt eine Kamera benötigt ...

 

 

Was brauche ich?

 

Eine der häufigsten Fragen, die mir zur Fotografie gestellt werden, ist die nach der besten Kamera.

 

Mit Empfehlungen für Kameramodelle bin ich jedoch zurückhaltend, denn "Die beste Kamera" kann es nicht geben. Zu vielfältig sind die potenziellen Anwendungsgebiete, zu unterschiedlich die Anforderungen eines jeden Fotografen an sein Werkzeug. Für bestimmte Zwecke mögen durchaus optimierte Lösungen existieren – aber eben keine für jeden Zweck. 

 

Bevor eine Kamera anschafft wird, sollte man sich also sehr gut überlegen, wofür man sie benötigt. Die Fragen, die man sich in diesem Zusammenhang stellt, könnten lauten:

 

 

1. Welche Motive möchte ich fotografieren?

 

Die Antwort lautet zunächst oft: "Alle." Meist stellt sich bei intensiverem Nachdenken jedoch heraus, dass bestimmte Bereiche gar nicht und andere häufiger fotografiert werden. Die meisten modernen Kameras sind zwar in der Lage, grundsätzlich "alles" zu fotografieren, allerdings hat jede Kamera bestimmte Stärken und Schwächen; hier gilt es, möglichst hohe Deckungsgleichheit zum eigenen Anwendungs-Profil zu finden. 

 

2. In welcher Form möchte ich meine Fotos zeigen?

 

Die Antwort dazu entscheidet u. a. darüber, wie viele Pixel der Kamera-Sensor haben muss. Für die großformatige Ausbelichtung werden deutlich mehr Pixel benötigt als für 10 x 15 cm  kleine Abzüge oder die ausschließliche Darstellung auf einem Monitor. Mehr dazu im Unter-Abschnitt Wie viel Sensor braucht der Mensch?

 

3. Wie leicht muss oder wie groß darf die Kamera (-Ausrüstung) sein?

 

Zum ersten Teil dieser Frage muss man sich beantworten, wie oft und wie lange man die Kameraausrüstung unterwegs dabei hat. Erfahrungsgemäß schießt man mit der kleinen Immer-dabei-Kamera mehr Fotos, als mit der, die man meist zuhause lässt, weil sie zu groß und schwer ist. Fotografiert man dagegen nur daheim, spielen Größe und Gewicht kaum mehr eine Rolle.

 

4. Wie oft fotografiere ich im Jahr?

 

Diese Frage entscheidet ein wenig über den Etat. Für drei Fotos im Jahr wird man keine vierstellige Summe in eine Fotoausrüstung investieren. Anders herum lohnen sich Mehrausgaben für solidere Verarbeitung und höheren Komfort, je häufiger man fotografiert.

 

5. Wie tief möchte ich mich in die Materie einarbeiten?

 

Mit dem Umfang der (manuellen) Bedienungsmöglichkeiten einer Kamera steigt naturgemäß auch der Zeitaufwand für die Einarbeitung. Wiederum im Umkehrschluss: Wer diesen Aufwand scheut, muss auch nicht in eine Kamera investieren, die Ausstattung und Funktionen bietet, die man niemals nutzen wird.

 

6. Möchte ich mit der Kamera Geld verdienen?

 

Falls diese Frage mit "Ja" beantwortet wird, werden besondere Anforderungen an die Zuverlässigkeit gestellt, denn die Kamera muss einfach in alllen Situationen verlässlich funktionieren! Auch Ergonomie ist ein wichtiges Stichwort: Die Kamera muss quasi im Schlaf bedienbar sein, um effizient arbeiten zu können. Nicht zuletzt muss natürlich die technische Qualität der Fotos Mindeststandards erfüllen, die höher sind, als für das Hobby.

 

Wenn diese Punkte halbwegs geklärt sind, geht es daran, zunächst die für die eigenen Wünsche und Einsatzzwecke richtige Kamera-Kategorie zu bestimmen, bevor dann innerhalb der Kategorie das passende Modell gesucht wird. 

 

     

10.08.2015 - 26.08.2015