Hochsensibilität

Der Begriff Hochsensibilität bezieht sich auf Menschen, die über ein sehr empfindliches Nervensystem mit erhöhter Erregbarkeit verfügen. Filter- und "Brems"-Funktionen für sensorische Verarbeitungsprozesse durch das Nervensystem scheinen bei Betroffenen nicht normal zu funktioniern. So ist ein hochsensibler Mensch der ständigen Informationsflut seiner Sensoren ausgesetzt, die nicht selten zu Reizüberflutung und Über-Stimulierung führt, was sich wiederum negativ auf Körper, Seele und Geist auswirken kann. Sie lässt ihn nach außen anders oder gar seltsam oder wunderlich wirken und kann ihn durchaus krank machen. Die Hochsensibilität selbst wird dessen ungeachtet nicht als Krankheit, sondern eine als Eigenschaft gesehen.

 

Der Begriff der High Sensitivity wurde 1996 von der amerikanischen Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Elaine N. Aron geprägt, die sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzte. Vor ihr hatten sich u. a. schon Carl Gustav Jung und Iwan Petrowitsch Pawlow mit erhöhter Sensitivität befasst, allerdings nicht so umfassend.

 

Wissenschaftlich forschen in Deutschland aktuell offenbar nur wenige an der Hochsensibilität; so z. B. Dipl. Psych. Sandra Konrad im Rahmen ihrer Dissertation an der Hamburger Helmut Schmidt Universität. Weil die Studien noch laufen, existieren (Stand: Mai 2016) noch keine veröffentlichten Ergebnisse. Auch BirgitTrappmann-Korr arbeitete als Soziale Verhaltenswissenschaftlerin kürzlich an einer Studie mit 5.000 Probanden, deren Ergebnisse derzeit (noch?) nicht öffentlich vorliegen.

 

Im Deutschen sind die Begriffe Hochsensibilität und Hochsensitivität gebräuchlich. Beide werden vom englischen high sensory-processing sensitivity abgeleitet, der die menschliche Empfindlichkeit für sensorische Verarbeitungsprozesse beschreibt. Ich selbst bevorzuge im Deutschen den Begriff Hochsensibiliät, weil der Begriff hochsensitiv gern auch im Zusammenhang mit "außersinnlicher Wahrnehmung" auftaucht. Um diesen "siebten Sinn" geht es hier jedoch nicht, sondern um die Verarbeitung der (messbaren) Signale der bekannten fünf Sinne.

 

Gebräuchliche Abkürzungen:

 

  • HS für High Sensitivity, Hochsensibilität oder Hochsensitivität
  • HSP für High Sensitive Person oder Hochsensible Person
  • HSM für Hochsensibler Mensch

 

Hochsensibilität tritt bei 15–20 % der Bevölkerung auf, etwa jeder 5. bis 6. scheint also betroffen – ungeachtet seiner Herkunft, Kultur und Geschlecht. Interessanterweise lässt sich dieser Prozentsatz auch im Tierreich beobachten und soll bei mehr als 100 Arten nachgewiesen sein.

 

Hochsensibilität wird oft als Voraussetzung für Hochbegabung angesehen. So würden die Hochbegabten (je nach Definition etwa 2–3 % der Bevölkerung) also eine Teilgruppe der Hochsensiblen darstellen. Einige wenige Autoren gehen einen Schritt weiter und setzten Hochsensibilität und Hochbegabung gleich. Die Argumentationen dafür basieren aber nicht auf wissenschaftlicher Forschung, sondern aus reinen Gedankenkonstrukten – und klingen zumindest für mich teilweise abstrus.

 

Hochsensible Menschen bilden dank ihrer besonderen Eigenschaften oft besondere Fähigkeiten aus und waren in vergangenen Zeiten in vielen Kulturen angesehene Menschen. In unserer heutigen, vom Turbokapitalismus geprägten Zeit, werden eher die negativen Seiten gesehen und HSM oft als unangepasst, "zickig", verschroben, langsam u. ä. wahrgenommen.

 

Die Eigenschaft der Hochsensibilität kann also gleichzeitig Segen und Bürde sein. Sie selbst ist angeboren, am Ende beeinflusst jedoch auch die Umgebung, ob sie sich für den Einzelnen im Laufe des Lebens eher zum Segen oder zur Last entwickelt.

 

Was die Erkennung der HS schwierig macht, ist die Tatsache, dass sie extrem komplex ist und jeder davon betroffene Mensch andere Facetten zeigt. Vielleicht werden auch deshalb viele HSM nicht als solche gesehen, sondern als krank, mit ADHS-Syndrom, Asperger-Autismus o. a. diagnostiziert. Wie schon für die Hochbegabten gesagt, denke ich, dass es sicher HSM gibt, die auch von einer dieser Krankheiten betroffen sind. Der Umkehrschluss ist dagegen nicht zulässig, wird leider jedoch allzu oft – auch von ansonsten kompetenten – Fachleuten getroffen.

 

Hier, auf meiner Webseite, möchte ich jetzt aber nicht weiter inhaltlich über Hochsensibilität referieren. Andere Autoren haben sich im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeiten viel intensiver damit befasst, oder direkt mit solchen Menschen zusammengearbeitet. Weil meine Texte also bestenfalls aus dritter Hand wären, möchte ich aus diesem Grund in der Folge lieber nur Tipps zu weiteren (hoffentlich) guten Informationsquellen geben!

 

Literaturhinweise     Links     Tests