R.I.P. XP!

Heute, am 8. April 2014, geht eine Ära zu Ende: Die Windows-XP-Ära.

 

Heute wird der Veteran Windows XP zum letzten Mal mit (Sicherheits-)  Updates versorgt.

 

In den annährend 30 Jahren, in denen ich Computer anwende, war Windows XP aus meiner Sicht das beste Windows-Betriebssystem.

 

Nach den ersten Jahren unter MS DOS brachte Windows 3 für mich die erste grafische Oberfläche auf den Bildschirm. (Wie gut, dass ich für meinen ersten DOS-PC vorausschauend schon "hochauflösende" Grafikkarte und Farbmonitor gekauft hatte.) Die erste wirklich brauchbare Windows-Version war Windows 95 (und parallel NT). Die Windows-95-Nachfolger 98 und mehr noch ME wirkten wieder irgendwie halbgar. Schließlich wuchsen die beiden alten Zweige zu Windows XP zusammen, das Ende 2001 zum ersten Mal auf einem meiner PCs landete.

 

XP war das erste Windows, das ich ohne Frickeleien und Stress installieren konnte. Innerhalb kurzer Zeit rüstetete ich unsere PCs um. Schnell war ich mit dem ergonomischen XP sehr vertraut. Gegenüber alten Windows-Versionen blieb es mit nur wenig Pflege dauerhaft schlank und flink. Windows 95/98 hatte ich regelmäßig "plattmachen" und neu installieren müssen, um angestauten und tempomindernden Ballast loszuwerden. Windows XP lief nun auf unseren Rechnern zuverlässig und stabil. Meinen Büro-PC betrieb ich fast 8 Jahre ohne Pause damit, bevor er wegen Hardware-Defekten ausgemustert wurde.

 

Auf einem 2007 angeschafften Laptop befand sich der Nachfolger Vista: Welch Enttäuschung! Dieser Laptop blieb bis zu seinem Ausfall der einzige Rechner mit Vista in unserem Haushalt. Auf seinem Nachfolger befand sich Windows 7. Dies machte wieder einen etwas besseren Eindruck. Der Eindruck bestätigte sich, als ich ein Jahr später einen neuen  Büro-PC benötigte. Wegen des 2012 schon bekannten drohenden XP-Support-Endes installierte ich dort ein weiteres 7. Experimente mit Windows 8 ließen mich 2013 dann wieder erschauern: Windows 8 ist für mich bislang der absolute Tiefpunkt in der Windows-Geschichte.

 

Offenbar versucht Microsoft, mit jeder zweiten Version das Rad neu zu erfinden. Leider gelingt das nicht: 98/ME, Vista, 8 waren die Flops – vielleicht wird ja Windows 9 (oder wie immer es auch heißen mag) wieder ein Betriebssystem, mit dem man arbeiten mag. Bislang jedoch war XP mein absoluter Favorit. Weil unser letzter PC mit XP regelmäßig Kontakt zum Internet benötigt – und weil auch das darauf laufende Office 2003 zeitgleich zu XP quasi "abgeschaltet" wird – mussten wir ihn wegen der bald zu erwartenden Sicherheitstrisiken nun leider aus dem Verkehr ziehen. Mit Wehmut, denn er wäre sicherlich noch einige Jahre sauber gelaufen – würde er denn mit Sicherheitsupdates weiter versorgt. (Nun wird die Hardware ihr Gnadenbrot als Basis für Linux-Experimente finden.)

 

Ich denke, dass ich nicht allein stehe, wenn ich XP nachtrauere. Sicherlich war es im Februar 2014 nicht umsonst noch auf fast einem Drittel aller weltweit aktiven Computer installiert. Wenn das Support-Ende nicht so konsequent durchgezogen würde, wären es vielleicht sogar deutlich mehr geblieben. Warum auch nicht? Solange die (alte) Hardware mitspielt, sollte kein Bedarf an einem neuen Betriebssystem bestehen müssen.

 

In vielen Bereichen des Lebens hat sich – zu Recht – der Begriff der Nachhaltigkeit etabliert. In der IT hat er offensichtlich keinen Wert. Denn nachhaltig ist es garantiert nicht, wenn wegen des Wechsels auf ein neues, hardwareressourcenhungriges Betriebssystem weltweit Millionen Tonen  Elektroschrott entstehen.

 

Ab Windows7 begann Microsoft sich wieder an einen etwa dreijährigen Turnus bei der Einführung neuer Betriebsssteme zu halten, deswegen wird sich in nächster Zeit eine so langjährige Erfolgsgeschichte wie bei XP nicht wiederholen. Denn für Windows 7 ist das Support-Ende auch bereits festgeschrieben: Auf 2020.

 

Dann wird das nächste Mal getrauert...